Freitag, 16. November 2007

flieg taube, flieg



wir geniessen jeden tag hier und schaetzen die mentalitaet und den flair der insel. hier kennt man die stille nicht, kinder rufen,lachen und singen, fahrenede strassenverkaeufer preisen ihre waren an, an jeder strassenecke wird lateinamerikanische musik gespielt und der verkehr kommt auch nie zur ruhe. Auf dieser Insel gibt es vermutlich niemanden der nicht gerne seine hueften zu merengue oder batchata rhythmen schwingen laesst. selbst die kinder ueben sich (zu unserer freude und der schwestern leid) in erotischsten tanzbewegungen zu welchen sie meist selbst singen. auch uns wurden die feurigen taenze schon beigebracht; obwohl die schwester das den maedchen verbietet da diese taenze angeblich dreckig seien. die menschen hier sind sehr freundlich, offen, lachen viel und leben ihre emotionen sehr intensiv aus; sowohl die positiven als auch die negativen. so kommt es auch des oefteren vor, dass sie lauthals und gestikreich diskutieren oder sich beleidigt abwenden. jeodch wirkt es auf uns als wuerde der aerger immer schnell verfliegen. Weiters begruessen uns dominikaner, die wir zum teil noch nie zuvor gesehen haben, als ob wir ihre besten freunde waeren, mit festen umarmungen und kuessen. Nie kommt es vor, dass wir mit den kndern zeit verbringen ohne dass sie unsere haut betatschln, mit unseren haaren spielen, uns umarmen oder uns nach links und rechts gleichzeitig zerren.
von den maennern hier sagt man, dass sie ziemlich von sich selbst ueberzeugt seien. heute wurde uns erklaert, dass es nur sehr selten vorkaemme, dass ein mann nur eine freundin hat, in der regel habe ein mann schon so an die fuenf freundinnen. und auch in der ehe gaebe es noch freundinnen neben der ehefrau. wie viel wares hinter dieser information steckt, wissen wir nicht.

die menschen hier wissen ueber oesterreich so gut wie garnichts. manche erraten noch, dass wir aus Europa stammen und dass es bei uns manchmal kalt ist, aber die meisten verstehen sowieso nicht, dass ein unterschied zwischen oesterrreich und australien besteht. immer wieder werden uns fragen ueber oesterreich gestellt die uns ein schmunseln bereiten:
- "gibt es in oesterreich farbenfrohe kleidung?"
wir tragen naemlich immer nur weis, gruen,schwarz und blau;
- "gibt es bei euch zuhause nur ohrstecker?"
alexandra und ich tragen selbige
- "sind bei euch alle vegetarier?"
- "haben alle in oesterreich glatte haare?"
es ist ganz lustig fuer uns anzusehen, wie schnell vorurteile entstehen bzw. wie schnell man von ein paar eindruecken auf ein ganzes schliesst. auch zeigen uns die maedls immer wieder begeisert objekte, die fuer uns ganz altaeglich sind, wie zum beispiel einen bankomaten oder einen lift. auf uns wirkt es manchmal so, als glaubten sie, dass die dominikanische republik fortschrittlicher sei, als oesterreich.

zu unserer arbeit: unser kurs hat sich wieder geaendert, wir machen jetzt von mo bis fr immer am vormittag einen kurs, in dem wir versuchen einigen kindern die nicht die moeglichkeit haben in die schule zu gehen, lesen und schreiben bei zubringen. im moment sind es noch 6 kinder, aber in der letzten woche kamen taeglich kinder, die behaupteten nicht lesen und schreiben zu koennen, somit muessen wir immer erst herausfinden, ob das der wahrheit entspricht oder sie nur in diesen kurs wollen.


in diesem haus namens "Canillita con Laura Vicuna" wohnen wir (2. tuer von rechts im 1. stock). links von uns befinden sich 2 schlafsaele, bad und studierraum der maedchen, die hier wohnen. rechts von uns sind klassenraeume fuer die canillitas. im erdgeschoss befinden sich weitere klassenraeume, eine kueche mit speiseraum und bueros.


dieser hof wird von dem schwesternhaus, der schule und unserem haus eingeschlossen. hier ist eigentlich immer etwas los, da waehrend der woche und auch am sonntag immer kinder hier sind.




am sonntag veranstalten die schwestern einen Katechismusunterricht, fuer alle kinder, die kommen wollen. schon um 8 uhr in der frueh ist der ganze hof mit kindern gefuellt (ca. 200). dann wird gespielt, getanzt und gesungen. nach der jause fuer alle, beginnt der katechismusunterricht, waehrend welchem die kinder hauptsaechlich singen und sich dazu bewegen. danach gibt es noch fuer kinder, die wollen, eine kindermesse in der, sich in der naehe befindenen, kirche.



es macht auf uns den anschein, als wuerden die dominikaner in ihrer freizeit nichts lieber tun als einkaufen zu gehen, (vom domino spielen vielleicht abgesehen. letzte woche machten wir mit ein paar maedels, die hier wohnen, alleine einen ausflug. nachdem sie sich alle aufgestylt hatten, ein ritual, das die maedels immer vollziehen, bevor sie die comunidad verlassen, gerne auch fuer die messe am sonntag, durften sie entscheiden wohin es geht. nicht lang wurde ueberlegt und schon stand unser ziel fest: megacenter, ein Shoppingcenter. auf der fahrt dorthin lernten wir die sogenannten "carros" kennen. das sind ganz normale autos, die aber meist fixe haltestellen haben und im grunde wie busse verkehren. diese auto sind meist sehr heruntergekommen, aussen fehlt grossflaechig der lack und die karosserie ist ziemlich verpeult und innen fehlt auch mal die verkleidung. von diesen autos werden so viele mitgenommen, wie hineinpassen. wir zb. waren zu 8 im auto fuer 5 personen. 3 stunden lang sind wir im shoppingcenter herumgeschlendert, doch wie uns die maedels erklaert haben, nur zum schauen, da alles dort viel teurer ist als in anderen geschaeften und sie so dort nie zum einkaufen hinfahren. doch auch wenn wir mit einer schwester in einen supermarkt einkaufen gehen, wird meist nur sehr wenig gekauft, sie bummeln einfach gern durch die gaenge und schauen was es alles tolles in den regalen gibt.


dieses foto stammt aus der "mariatheresia strasse" santo domingos, genannt "el conde". hier tummeln sich immer menschen, die etwas in den zahlreichen imbisslokalen essen oder in den, hauptsaechlich fuer touristen gedachten, geschaeften kaufen.




letztes wochenende machten wir einen ausflug zum strand. ein maedchen von hier lud uns ein einen spaziergang mit ihr zu machen- freudig gehen wir hinunter in die eingangshalle, wo uns erklaert wurde, wir sollten in das vor der tuer parkende auto einsteigen. und schon befanden wir uns mitten im familien-wochenend-ausflug einer uns unbekannten familie. nachdem wir dies etwas verwundert festgestellt hatten, wurde uns mitgeteilt dass mit dem spaziergang eine fahrt zum meer gemeint war. wir fuhren auch noch kurz bei ihrer wohnung vorbei, wo uns gleich ein gaestezimmer gezeigt wurde, in dem wir jeder zeit fuer ein paar tage schlafen koennen. den ganzen tag ueber wurden wir mit essen und trinken versorgt.
diese enorme gastfreundlichkeit scheint normal in der dominikanischen republik zu sein. immer wieder laden uns die maedels von hier ein, irgendwann einmal sie fuer ein paar tage zu besuchen und auch fuer morgen sind wir z.b. einem uns unbekannten mann versprochen.



das war der tag an dem wir unseren ersten richtigen ausflug machten. wir besuchten die zona-colonial. dort befindet sich das haus columbus und einige andere bauten so wie z.b. die erste kirche amerikas. ueberhaupt befinden sich in santo domingo viele oeffentliche gebaeude, die hier als erste amerikas erbaut wurden (universitaet, krankenhaus...). nach dem wir einige wirklich sehenswerte gebilde betrachtet hatten, besuchten wir die brueder der schwester die uns begleitete und diese fuehrten uns nach hause. Claris (das maedchen im bilde; sie wohnt auch in unserer Comunidad da sie, wie viele andere maedchen in ihrem alter eine schwester werden will.)wurde bevor sie ins auto einstieg diese plastiktuete in die hand gedrueckt, die sich zu unserem erschrecken bewegte. nach einigen verstaendigungsproblemen erfuhren wir dass sich in diesem plastiksack 2 tauben befinden, die ausgesiedelt wurden. Wir bekammen einen Lachkrampf weil wir die Situation, mit Tauben die sich in einem sackbefinden und im auto durch die gegend kutschiert werden, sehr absurd fanden. Claris verstand nicht warum wir lachten und nahm die situation als ob sie altaeglich waere hin.

Freitag, 9. November 2007

ein tag hat 24 stunden, und eine stunde 60 minuten

wir sind jetzt seit 2 wochen hier in santo domingo und leider ist unser aufgabenbereich immer noch nicht festgelegt. aber nicht nur das ist uns im moment noch unklar, sondern auch vieles anderes. seit wir hier sind wird uns selten erklaert wie etwas funktioniert bzw. was wir machen sollen, ohne, dass wir zuvor gefragt haetten. die schwestern meinen das nicht boese, fuer sie ist nur alles normal und bekannt, so dass sie wahrscheinlich garnicht auf die idee kommen uns zu informieren. so sind wir momentan immer noch fleissig dabei durch staendiges bild uns langsam ein klareres bild von unserer neuen umgebung zu machen.
bevor wir hier her kamen, wussten wir nur, dass wir mit "canillitas" arbeiten sollten. "Canillitas" ist ein begriff fuer kinder, die aus sehr sehr armen familien stammen. angleblich muessen sie auch deshalb auf der strasse bulmen und selbstgemachtes verkaufen. diese kinder koennen entweder am vormittag oder am nachmittag, das haengt davon ab, wann sie in die schule gehen, in unsere comunidad, wo sie verschiedene kurse besuchen koennen ( unter anderem volleyball, theater, tanz, zeichnen, nachhilfe, katechismus - einen genauen ueberblick haben wir selbst noch nicht). immer wenn sie kommen, bekommen sie etwas brot und milch, was den schwestern sehr wichtig ist, da sich manche eltern schwer essen leisten koennen.
diese "canillitas" sahen wir am do, fr, und so nach unserer ankunft und dann leider eine ganze woche nicht mehr, da es wegen dem starken unwetter namens "noel" eine allgemeine empfehlung gab, sein haus nicht mehr zu verlassen. in den nachrichten wurde immer wieder von toten und hunderten vermissten berichtet.
fuer uns bedeutete das unwetter, dass wir gleich am anfang eine woche lang nichts zu tun hatten, und schwer mehr ueber unsere aufgaben hier erfahren konnten.
in dieser zeit schlugen unsere buecher wellen, unser gewand trocknete nicht und stank trotz dreimaligem waschen unaufhoerlich, an strom war nicht zu denken und das wasser ging und kam meist nicht mehr. langeweile, langeweile, die uns mit der zeit in eine passivitaet und lustlosigkeit versetzte, weche wir zuvor noch nicht kannten.
als das unwetter nach ein paar tagen nachliess, fuhren wir zusammen mit einer schwester und ein paar maedls aus dem internat nach "la cienaga", ein stadtteil von santo domingo, der direkt am fluss ozama (der ins karibische meer fliesst) liegt. dort leben viele der "canillitas" in aeusserst aermlichen verhaeltnissen. die meisten haeuser sind nicht groesser als ein kinderzimmer, nach uns gewohnten verhaeltnissen, jedoch wohnt darin eine familie mit meist mindestens vier kindern. im grunde kann man diese haeuser eher als baracken bezeichen, da sich so gut wie alle in einem sehr desolatem zustand befinden. bebaut sind sie aus ziegeln, holz oder wellblech und wie der grossteil der haeuser in der dominikanischen republik sind sie bunt bemald. in einem bildband ueber die dominikanische republik ist nachzulesen, dass politiker vor wahlkaempfen farbeimer in armen regionen verteilen.
als wir mit dem auto durch die strassen fuhren, waren diese gefuellt mit menschen. als die schwester eine frau fragt, was passiert sei, dass der fluss an manchen stellen ueber gegangen war und so einige haeuser und teile der strasse unter wasser stehen. spaeter stoppten wir und die schwester verteilte aus dem auto heraus an einige frauen und maedchen saecke, gefuellt mit brot und getreide. wir befanden uns in einem gewirr aus stimmen und haenden, die nach essen flehten. wir fuehlten uns sehr unwohl.
zurueck in der comunidad erfasste uns neuer tatendrang und wir wollten endlich wissen, was nun unsere aufgaben hier bezueglcih den "canillitas" sind. Doch das konnte uns die dafuer zustaendige Schwester auch nicht sagen. Sie meinte nur, wir sollten uns einmal alles genau anschauen und selbst ueberlegen, wie wir helfen koennen.
Nach der schulfreien woche kamen in dieser woche endlich die kinder wieder.
Wir besuchten verschiedene kurse, in der absicht auch etwas mitzuhelfen, was sich aber als unmoeglich herausstellte, da die kinder eher an un interissiert waren, als an dem, was sie lernen sollten. Da uns die schwester weiterhin keine aufgaben zukommen lies, haben wir das mittlerweile selbst in die hand genommen. So haben wir eine liste mit kursen, die wir halten wollen, geschrieben. Nach einigem draengen und gespraechen mit den lehrern und schwester haben wir jetzt eine kleine gruppe mit 8 kindern, denen wir mit hausaufgaben und ehnlichem wie z.B. mathe und der rechtschreibung helfen. heute hatten wir unsere erste stunde und es lief ueberraschenderweisse sehr gut. 3x die woche werden wir jetz fuer jeweils 3 stunden diesen kurs halten und ab mitte dezember werden die englischstunde eines amerikanischen stundenten der wieder zurueck in die heimat faehrt uebernehmen. Weiters wollen wir einigen kindern die keine papiere und daher keine erlaubnis zum in die schule gehen haben, leesen und schreiben beibringen. Aber leider konnten wir das noch nicht organisieren weil die schwester keine zeit hat um uns die betroffenen kinder vorzustellen. Vielleicht machen wir noch am nachmittag einen zusaetzlichen englischkurs oder einen theaterkurs. Zuerst wollen wir jedoch schauen, ob das mit dem alphabetisierungskurs funktioniert. Auch an einen tanzkurs á la polai haben wir gedacht - vom walzer ("balser" wie die kinder sagen) sind die kinder schon mal ganz begeistert.

Wie es sich mit den kursen entwickelt und was fuer verrueckte, komische, eigenartige sachen hier geschehen, werden wir euch in der naechsten folge von "wir und die dominikanische republik" beschreiben.

Samstag, 3. November 2007

Unsere Adresse

Escuela Madre Mazzarello
para Alexandra Stix/Sophie Schwitzer
Calle Manuela Díez No.76, esquina, Albert Thomas
Santo Domingo
Republica Dominicana