Dienstag, 12. Februar 2008

so schauts aus

die zeit vergeht und mittlerweile koennen wir fast schon von einem alltag sprechen. von anfang an wurden uns nie aufgaben zugeteilt, worueber wir im grunde sehr froh sind, da wir so (mehr oder weniger) das mit den kindern machen koennen, was uns spass macht und sinnvoll erscheint. immer wieder sprachen wir mit den schwestern ueber verschiedene kursideen und ueber deren umsetzung. nachdem wirt meist als antwort bekommen, "ja gut, macht das nur....",
begaben wir uns auf die suche nach kindern fuer unsere kurse.
als erstes realisierten wir einen kurs fuer kinder die nicht bzw. nur mit grossen schwierigkeiten lesen und schreiben koennen. aus den 7 kindern, mit welchen wir den kurs begannen, sind mittlerweile ueber 20 geworden. diesen kurs halten wir von dienstag bis freitag jeweils am vormittag. am montag laden wir immer nur ein paar kinder zum kurs ein, die noch groessere schwierigkeiten als die anderen haben, um mit ihnen den stoff nachzuholen.
wir wollen euch ein paar unserer kinder vorstellen.
da gibt es zum beispiel mabel (1. foto links Rosa, rechts Mabel), ein maedchen das ein
wahnsinns gedaechtnis hat. sobald man einmal ein wort mit ihr gelesen hat, erkennt sie noch wochen spaeter nur an der form und konstellation der buchstaben, um welches wort es sich handelt, ohne es lesen zu muessen. und im memoryspielen schlaegt sie uns sowieso immer, und das mit 10 jahren. und zur verabschiedung kuesst sie unsere haelse, als wolle sie eine zitrone aussaugen.



mit carina maite (2.foto) ist es immer wieder eine besondere freude zu lesen. sie hat die angewohnheit alle silben aprupt von einander getrennt lauthals herauszupressen, was einen, wenn man darauf nicht gefasst ist, immer wieder etwas hochschrecken laesst. ihre leseart ist wohl
einem militaerstrill nicht ungleich.


yanira (3. foto), ein maedchen mit wahnsinnig sonnigen gemuet, ist zwar eine der kleinsten, weiss sich aber stets zu behaupten. sollte sie sich trotzdem mal zu unrecht behandelt fuehlen, wird die grosse schwester zu hilfe geholt. immer wenn sie es schafft von allein etwas zu lesen, und mag es nur eine silbe sein, strahlt sie ueber das ganze gesicht, und drueckt ihre freude mit einem zufriedenen hin und her schwingen aus.


so haben alle kinder ihre fasetten, die uns erfreuen aber auch immer wieder auf verschiedenste weise fordern. nicht immer ist es leicht die kinder zu baehndigen oder mit immer wieder neuen argumenten sie davon zu ueberzeugen, dass es wichtig ist mitzumachen. jedoch gibt es auch keinen vormittag, an welchen sie uns nicht zum lachen bringen. wir haben die kinder wirklich schon sehr ins herz geschlossen.

am dienstag nachmittag halten wir seit ein paar wochen einen kurs, in dem wir verschiedene aktivitaeten machen: spielen, singen, tanzen, ein wenig theater und sport.
und am mittwochnachmittag lernen wir mit kindern englisch. die englischbildung in der schule ist hier wahnsinnig schlecht, oft koennen die kinder mit 14- 15- jahren noch nicht einmal die verbformen von "to be". auch in unserem kurs sind kinder im alter von 8 bis 17 jahren, von welchen die meisten nicht "hello, my name is......" zu sagen wussten. doch schoen gemaechlich lernen sie das ein oder andere auf englisch. fuer uns ist der kurs eine wahre entspannung, da die kinder total ruhig und teils auch wissbegierig den kurs verfolgen. eine solche ruhe sind wir ansonsten von den kindern nicht gewohnt.

am donnerstag nachmittag wollen wir zukuenftig immer verschiedene kinder in ihrem zuhause besuchen, mit ihnen reden, spielen, und uns ihre umgebung zeigen lassen. bis jetzt waren wir erst bei ein, zwei kindern daheim, doch immer wenn wir kinder fragen, ob wir einmal mit ihnen mit nachhause gehen koennen, freuen sie sich total, und wuerden am liebsten gleich mit uns los ziehen.

am sonntagvormittag koennen alle canillitas und andere kinder aus der nachbarschaft zum spielen und zum katechismusunterricht mit anschliessender messe kommen. auch wir haben seit kurzem eine kleine katechismusgruppe. katechismusunterricht zugeben konnten wir uns nie vorstellen, da wir selbst keine verbindung dazu haben. so laeuft unser unterricht vielleicht etwas anderst als ueblich ab. aber immerhin gibt es buecher, die wir zur hilfe ziehen koennen bzw. sind wir auch eingeladen worden an einem kurs, der zum katechismuslehrer ausbildet, teilzunehmen, der woechentlich stattfindet.

wenn wir freizeit haben fahren wir meist ins stadtinnere, schlendern die gassen entlang, besichtigen monumente oder museen, unterhalten uns mit freundlichen dominikanern oder schauen einfach dem treiben der stadt zu. ab und zu unternehmen wir auch ausfluege mit leuten, die wir hier kennengelernt haben.
das, was wir hier machen, machen wir wirklich gern und im moment sind wir sehr froh darueber, dass wir noch nicht sobald von dieser insel abschied nehmen muessen. so viel gibt es hier, das wir ins herz geschlossen haben und uns freude bereitet, so viel, das wir noch entdecken wollen.

Montag, 11. Februar 2008

wale-watching

am montag, den 4.2. kam florian, sophies bruder nach einigen anreiseschwierigkeiten in santo domingo an. nachdem er zusammen mit sophie einige tage lang an dem farbenfrohen und lauten treiben der stadt teilnahm, besuchte er unsere comunidad. schon in den letzten tagen, war flo das gespraechsthema nummer eins unter den maedchen, und so kann man sich vorstellen, wie freudig sie ihn empfingen. die kinder stuermten auf ihn zu, redeten auf ihn ein (er verstand nichts), und beschlossen dann, fuer ihn zu tanzen und zu singen. wir selbst hatten die kinder noch nie so aufgedreht erlebt und flo kam sich wahrscheinlich vor, wie in einem affenzirkus und lachte, lachte und lachte, wir im uebrigen auch.

dieses wochenende waren wir gemeinsam mit flo und einer freundin von ihm, antonia, die einige tage spaeter ankam, in samana, um wale zu beobachten. jedes jahr im fruehjahr kommen mehrere hundert buckelwale in die warme bucht von samana, um sich dort zu paaren. nach umfangreichen preisverhandlungen mit einem charmaneten mann, der schlussendlich, trotz seines wissens von den truegerischen ueberzeugunskuensten einer frau, wie er uns immer wieder erklaerte, sophies argumentation nachgab (ihr verfuehrerisches laechlen zeigte wahrscheinlich auch seine wirkung), sitzen wir im guagua. ziel: st. barbara de samana, von wo aus wir mit dem boot aufs meer hinaus fahren. der guagua haelt, blaue tabletten werden gekauft und uns gereicht. man moege einer moeglichen seeunvertraeglichkeit vorbeugen, wird uns erklaert. mit stirnrunzeln werden die tabletten verweigernt weitergereicht, man ist ueberzeugt von seiner magenstabilitaet (vorerst noch...). es wird gelacht und witze gerissen. in st. barbara angekommen besteigen wir den kleinen katamaran, in dem uns gleich schwimmwesten und uebergrosse, neongelbe regenmaentel gereicht werden. erneute verwundern macht sich bei uns breit, da wir keinen zweck in diesen massnahmen sehen, trotzdem ziehen wir uns die maentel an. wir fahren los;
mit einigen stundenkilometern brettert das boot ueber die wellen, wasser spritzt uns von allen seiten in grossen mengen ins gesicht, immer wieder stoesst das boot mit dem bug ins wasser, nachdem es eine grosse welle passierte, und auch wir huepfen unweigerlich auf unseren sitzen auf und ab, nach links und rechts; der ein oder andere wuenscht sich wohl, er haette die tablette doch geschluckt; ein mann uebergibt sich ins meer- lautes lachen seitens seiner freunde. wir sind mittlerweile von oben bis unten nass, trotz unseres staetigen versuches uns mit den maentel so grossflaechig wie nur moeglich abzudecken, was sich aber durch das staendige auf und ab des bootes als unmoeglich erweist. erneut klatscht uns wasser ins gesicht, die augen brennen; sophie fuehlt sich wie auf einer achterbahn - nur schlimmer, meint sie. in dieser situation hilft nur noch lachen. und der arme mann uebergibt sich erneut.

nach ein paar minuten (die uns aber wie eine ewigkeit vorkamen) sind wir weit genug vom ufer entfernt, das boot verlangsamt und wir halten ausschau nach den walen. man sichtet luft, die von einem wal ausgestossen wurde, und das boot fetzt wieder los richtung wal.
alle, die zuvor noch standen, sitzen wieder- ohne sich selbst gesetzt zu haben. doch der wal ist wohl schon weiter bzw. untergetaucht, so wird wieder ausschau gehalten. neue position eines wals gesichtet, das boot faehrt. so fahren wir kreuz und quer ueber das meer. antonia belaechelt den mann, der sich schon wieder uebergibt, flo friert, alex fuehlt sich fast schon wie eine walfaengerin und sophie sucht weiter nach seltenen anzeichen von walen.
und dann endlich ist es so weit
- cuba libre wird verteilt, und wir wundern uns erneut; unser magen wurde durchgeschuettelt, wie der inhalt eines cocktailshakers, und alkohol scheint uns bei uebelkeit nicht als alzu foerderlich, doch in dieser situation ist an vernunft nicht mehr zu denken, und wir stossen an. neuer wal gesichtet, das boot beschleunigt, und der mann mit der rumflasche in der hand wird auf einen sitz zurueck geworfen, wie auch alle uebrigen passagiere, die mit muehe versuchen ihre becher auszubalancieren.
nach langer irrfahrt auf dem meer haben wir tatsaechlich noch wale aus unmittelbarer naehe gesehen. mit freudig strahlenden augen sahen alle gebannt auf die ruhigen bewegungen der wale, bis zuletzt die schwanzflosse sanft ins wasser tauchte.