wir sind jetzt seit 2 wochen hier in santo domingo und leider ist unser aufgabenbereich immer noch nicht festgelegt. aber nicht nur das ist uns im moment noch unklar, sondern auch vieles anderes. seit wir hier sind wird uns selten erklaert wie etwas funktioniert bzw. was wir machen sollen, ohne, dass wir zuvor gefragt haetten. die schwestern meinen das nicht boese, fuer sie ist nur alles normal und bekannt, so dass sie wahrscheinlich garnicht auf die idee kommen uns zu informieren. so sind wir momentan immer noch fleissig dabei durch staendiges bild uns langsam ein klareres bild von unserer neuen umgebung zu machen.
bevor wir hier her kamen, wussten wir nur, dass wir mit "canillitas" arbeiten sollten. "Canillitas" ist ein begriff fuer kinder, die aus sehr sehr armen familien stammen. angleblich muessen sie auch deshalb auf der strasse bulmen und selbstgemachtes verkaufen. diese kinder koennen entweder am vormittag oder am nachmittag, das haengt davon ab, wann sie in die schule gehen, in unsere comunidad, wo sie verschiedene kurse besuchen koennen ( unter anderem volleyball, theater, tanz, zeichnen, nachhilfe, katechismus - einen genauen ueberblick haben wir selbst noch nicht). immer wenn sie kommen, bekommen sie etwas brot und milch, was den schwestern sehr wichtig ist, da sich manche eltern schwer essen leisten koennen.
diese "canillitas" sahen wir am do, fr, und so nach unserer ankunft und dann leider eine ganze woche nicht mehr, da es wegen dem starken unwetter namens "noel" eine allgemeine empfehlung gab, sein haus nicht mehr zu verlassen. in den nachrichten wurde immer wieder von toten und hunderten vermissten berichtet.
fuer uns bedeutete das unwetter, dass wir gleich am anfang eine woche lang nichts zu tun hatten, und schwer mehr ueber unsere aufgaben hier erfahren konnten.
in dieser zeit schlugen unsere buecher wellen, unser gewand trocknete nicht und stank trotz dreimaligem waschen unaufhoerlich, an strom war nicht zu denken und das wasser ging und kam meist nicht mehr. langeweile, langeweile, die uns mit der zeit in eine passivitaet und lustlosigkeit versetzte, weche wir zuvor noch nicht kannten.
als das unwetter nach ein paar tagen nachliess, fuhren wir zusammen mit einer schwester und ein paar maedls aus dem internat nach "la cienaga", ein stadtteil von santo domingo, der direkt am fluss ozama (der ins karibische meer fliesst) liegt. dort leben viele der "canillitas" in aeusserst aermlichen verhaeltnissen. die meisten haeuser sind nicht groesser als ein kinderzimmer, nach uns gewohnten verhaeltnissen, jedoch wohnt darin eine familie mit meist mindestens vier kindern. im grunde kann man diese haeuser eher als baracken bezeichen, da sich so gut wie alle in einem sehr desolatem zustand befinden. bebaut sind sie aus ziegeln, holz oder wellblech und wie der grossteil der haeuser in der dominikanischen republik sind sie bunt bemald. in einem bildband ueber die dominikanische republik ist nachzulesen, dass politiker vor wahlkaempfen farbeimer in armen regionen verteilen.
als wir mit dem auto durch die strassen fuhren, waren diese gefuellt mit menschen. als die schwester eine frau fragt, was passiert sei, dass der fluss an manchen stellen ueber gegangen war und so einige haeuser und teile der strasse unter wasser stehen. spaeter stoppten wir und die schwester verteilte aus dem auto heraus an einige frauen und maedchen saecke, gefuellt mit brot und getreide. wir befanden uns in einem gewirr aus stimmen und haenden, die nach essen flehten. wir fuehlten uns sehr unwohl.
zurueck in der comunidad erfasste uns neuer tatendrang und wir wollten endlich wissen, was nun unsere aufgaben hier bezueglcih den "canillitas" sind. Doch das konnte uns die dafuer zustaendige Schwester auch nicht sagen. Sie meinte nur, wir sollten uns einmal alles genau anschauen und selbst ueberlegen, wie wir helfen koennen.
Nach der schulfreien woche kamen in dieser woche endlich die kinder wieder.
Wir besuchten verschiedene kurse, in der absicht auch etwas mitzuhelfen, was sich aber als unmoeglich herausstellte, da die kinder eher an un interissiert waren, als an dem, was sie lernen sollten. Da uns die schwester weiterhin keine aufgaben zukommen lies, haben wir das mittlerweile selbst in die hand genommen. So haben wir eine liste mit kursen, die wir halten wollen, geschrieben. Nach einigem draengen und gespraechen mit den lehrern und schwester haben wir jetzt eine kleine gruppe mit 8 kindern, denen wir mit hausaufgaben und ehnlichem wie z.B. mathe und der rechtschreibung helfen. heute hatten wir unsere erste stunde und es lief ueberraschenderweisse sehr gut. 3x die woche werden wir jetz fuer jeweils 3 stunden diesen kurs halten und ab mitte dezember werden die englischstunde eines amerikanischen stundenten der wieder zurueck in die heimat faehrt uebernehmen. Weiters wollen wir einigen kindern die keine papiere und daher keine erlaubnis zum in die schule gehen haben, leesen und schreiben beibringen. Aber leider konnten wir das noch nicht organisieren weil die schwester keine zeit hat um uns die betroffenen kinder vorzustellen. Vielleicht machen wir noch am nachmittag einen zusaetzlichen englischkurs oder einen theaterkurs. Zuerst wollen wir jedoch schauen, ob das mit dem alphabetisierungskurs funktioniert. Auch an einen tanzkurs á la polai haben wir gedacht - vom walzer ("balser" wie die kinder sagen) sind die kinder schon mal ganz begeistert.
Wie es sich mit den kursen entwickelt und was fuer verrueckte, komische, eigenartige sachen hier geschehen, werden wir euch in der naechsten folge von "wir und die dominikanische republik" beschreiben.
Freitag, 9. November 2007
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
3 Kommentare:
liebe sophie, liebe alex
es freut mi dass es euch so weit gut geht (auch mal ohne strom und wasser ;-)
i hab totales vertrauen darin, dass ihr so tolle kurse machen werdets, dass die kinder nirgends anders mehr hinwollen...
also i wünsch euch no viel spass
bussi moni
Liebe Sophie, liebe Alex,
konnte mich leider nicht mehr von euch verabschieden und euch alles Gute wünschen... Finde es ganz toll, dass ihr berichtet, was ihr so alles spannendes erlebt. Ich verfolg eure Berichte und freu mich schon auf die nächste "Serie".=)
Alles Gute mit euren Kursen....
Bussi
Alles Liebe Alena
Liebe Sophie und Alex
Soeben haben wir Euren Artikel gelesen - wirklich spannend und ergreifend. Tapfer seid Ihr schon, Ihr zwei - und ... sehr mutig!
Alles, alles Gute und Liebe und viel Erfolg fuer Eure Vorhaben senden Euch aus dem minus 8 Grad kalten Tirol mit den besten Wünschen Peter, Anni, Gabriel, Clara und stellvertretend für Theresa die Raudi - wuff!!!
Kommentar veröffentlichen