Freitag, 11. Januar 2008

die dominikanische republik

Wir wollen euch ein wenig von dem Land hier erzaehlen. Wenn man an die Dominikanische Republik denkt, denkt man meist an glasklares Meer, viel Sonne und endlose, weisssandige Straende, die mit Palmen, unter welchen man Cocktails schluerfend und Merenguemusik lauschend sitzt, geziert werden, vor. Verbringt man, wie die meisten Touristen hier seinen Urlaub in einem all-inklusive-Club mag dieses Klischeebild auch aufrechterhalten bleiben.
Begibt man sich jedoch selbststaendig auf Reisen, zeigt sich eine andere Seite der karibischen Insel.
Die Dominikanische Republik ist ein Entwicklungsland.


Lasst uns auf Erkundungstour in Santo Domingo, der Hauptstadt der Dominikanischen Republik gehen. Wir verlassen die Comunidad und begeben uns Richtung "Calle Duarte". Wir schlendern die Strasse entlang - ueberall lauern Touristenfallen: offene Kanale - Muell - aufgerissener Asphalt - Stromverkabelungen - tiefhaengende Aeste oder Luftwurzeln - Steine -Drecklacken; Konzentration ist gefordert. Weiters sind die Strassen hier sehr belebt. Neben Fussgaengern findet man an beinahe jeder Strassenecke einen Strassenverkaeufer. Dominikaner sitzen mit Plastikstuehlen auf dem Gehsteig, unterhalten sich, spielen Domino und hoeren dabei meist lautdroehnende Musik.


Ein Blick nach rechts und links; es zeigen sich die Wohnhaeuser der Dominikaner. Eng aneinander gereiht, teils ohne Abstand zum Nachbarhaus, saeumen die Haeuser die Strasse. Der Grossteil der Dominiknaer ist arm, was sich in ihren Haeusern widerspiegelt. Die hauptsaechlich einstoeckigen Huetten werden aus Holz und Wellblech zusammen genagelt oder werden gemauert. Das aeussere Erscheinungsbild kann man in der Regel wie folgt beschreiben: die Mauer broeckelt, die Farbe splittert, zwischen den Holzbrettern gibt es Klussen und es scheint, als waeren die Haeuser von einem Schmutz- beziehungsweise einem Staubfilm umgeben. Im inneren gibt es meist Beton oder Gummifussboeden, vereinzelt wurde auch nur die Erde festgedrueckt. Die Huetten werden von Waenden unterteilt, diese ragen jedoch nicht bis zur Decke. Sie dienen lediglich als Sichtschutz; Privatsphaere nach unseren Vorstellungen gibt es somit nicht. Fenster sind rar, beziehungsweise mit Holzdielen verschlossen; im Inneren ist es deshalb meist dunkel und es riecht modrig. Moebelinventar gibt es wenig, doch ein Schaukelstuhl und ein Fernseher fehlen fast nie. Wohnhaeuser so wie wir sie kennen besitzen hier nur die Reichen.

Wir fuehren unseren Spaziergang fort und gelangen bald in die "Calle Duarte". Diese Einkaufsstrasse erstreckt sich ueber mehrere Kilometer. Die Gehsteige sind gefuellt mit Menschen und Verkaufsstaenden. Vor den Laeden stehen Angestellte, die lauthals ihre Ware anpreisen und auf der Strasse herrscht immer ein Verkehrschaos. Die Laermkulisse ist atemberaubend.
Die Kopfschmerzen haben sich eingestellt, so winken wir schnell einen vorbeifahrenden Guagua (Kleinbus) herbei. Dieser haelt, wir steigen ein und das Spektakel geht weiter: In jedem Guagua gibt es neben dem Chauffeur auch einen Cobrador (zu deutsch Kassierer). Seine Aufgabe ist es das Geld (laepische 30 Cent) einzusammeln und moeglichst viele Menschen dazu zu motivieren sich zu den anderen Fahrgaesten in den Bus zu quetschen. Dazu springt er aus dem fahrenden Bus, ruft seine Fahrtrichtung laut aus und signalisiert den Menschen, dass sie einsteigen sollen. Er scheint Erfolg zu haben, denn auf uns wirkt es oft so, als wuerden Menschen einsteigen, die eigentlich nicht beabsichtigten mit dem "Bus" zu fahren.
Neben den Guaguas gibt es noch 3 weitere oeffentliche Verkehrsmittel; Carros (wie Guaguas mit vorgegebener Route und ohne fixe Haltestellen, jedoch sind es Autos und fuer mehr Geld weichen sie von ihrer Route ab), Motorconchos (Motorraeder die gleich wie Taxis gehandhabt werden) und Taxis.
Allen vieren gemeinsam ist, dass jeder, der irgendwie Platz findet, mitfahren kann. Die Verkehrsmittel fuegen sich mit ihrem desolaten Aussehen perfekt in das Strassenbild ein. Problem ein oeffentliches Verkehrsmittel zu finden hat man nie, vermutlich da die meisten Dominikaner sie benuetzen und sie so zahlreich und ueberall vorhanden sind.


Unser naechstes Ziel ist der Markt von Santo Domingo. Hier kann man Gemuese, Obst, Gewuerze, lebende Tiere und Fleisch kaufen. Weiters gibt es viele Shops, die hauptsaechlich Souveniers anbieten.
Die Arbeitsmoral der Dominkaner ist fuer uns undurchschaubar. Einerseits arbeiten sie mit einer Langsamkeit und Gelassenheit, die Desinteresse nicht uneaehnlich ist und uns zwei manchmal in den Wahnsinn treibt, andererseits sind einige von ihnen wahnsinnig geschaeftstuechtig und versuchen mit Charme und Ueberredungskunst ihre Produkte an den Mann zu bringen. Ueber den Arbeitsmarkt wissen wir nur wenig Bescheid. Verschiedene Personen erzaehlten uns, dass die meisten Dominikaner vom Verkauf leben, sei es auf der Strasse oder in einem Colmado (Tante-Emma-Laden). Daraus ergibt sich, dass viele Dominkaner selbststaendig sind und so keine gesicherte Pensionsvorsorge haben. Wie in den meisten Entwicklungslaendern sehen die Erwachsenen in ihren Kindern ihre Pensionsvorsorge. In der Unterschicht ist es daher nicht ungewoehnlich ca. 8 Kinder zu haben.
Weiters bieten verschiedene auslaendische Firmen, die sich in den Freihandelszonen niederliessen, um von dem sehr geringen Lohnniveau zu profitieren, weitere Arbeitsplaetze. Laut Aussage diverser Dominikaner verdient ein Angestellter bei einer 40 Stunden Woche durchschnittlich 100-150 Euro monatlich.
Natuerlich kann man diesen Lohn nicht direkt in Relation mit Loehnen in Oesterreich setzen, da die Lebenserhaltungskosten in der Dominikanischen Republik niedriger sind, jedoch nicht um das 10-Fache.

Zum Vergleich:
1/2 Liter Flasche Wasser kostet 20 Cent
1 Ei kostet 6 Cent
1 frisch gepresster Orangensaft kostet 40 Cent
1 Hotelzimmer fuer 4 Personen (Pool, in Meeresnaehe) kostet 30 Euro/Nacht
1 Schokoriegel kostet 10 Cent
1 dreistuendige Busfahrt kostet 5 Euro
1 T-shirt kostet 2 Euro aufwaerts

Gedanklich gehen wir wieder zurueck zum Markt und betrachten den Metzgerstand. Bei angenehm warmen Temperaturen darf das Fleisch stundenlang auf dem Holztisch liegen und sich ueber die Fliegen und andere Insekten, die es zeitweise bevoelkern, erfreuen. Das tote Schwein grinst und streckt alle Viere von sich. Unter den Verkaufstischen befinden sich Kaefige mit lebendigen Huehnern. Wenn man eine Henne kauft wird das quickend, flatternde Tier an den Fuessen zusammengebunden und dem Kaeufer ueber die Schulter geworfen. Die hygienischen Bedingungen dieser Metzgerei sind kein Einzelfall. Wegen der grossen Stromprobleme dieses Landes wird die Stromzufuhr fuer Kuehlschraenke und Tiefkuehltruhen vieler Orts regelmaessig unterbrochen. Ein staendiges Auftauen und Einfrieren ist die Folge, was die Entstehung von Bakterien massiv foerdert.

Fuer heute haben wir genug gesehen. Es ist 18.00 Uhr, in einer halben Stunde ist es dunkel. Wir winken einen Guagua herbei und fahren Richtung Comunidad. Auf dem Weg passieren wir den Wohnssitz des Praesidenten. So faellt uns noch eine Anekdote ein: Die europaeische Union spendete vor einigen Jahren Gelder, mit welchen die Errichtung einiger Sportplaetze finanziert werden sollte. Noch vor der Fertigstellung der Sportanlagen kam es zu einem Praesidentenwechsel. Mit dem Abgang des Praesidenten verschwand auch das Geld. Anstelle von Fussball- und Basketballspielern befinden sich heute grasende Schafe und Ziegen auf den halbfertigen Sportplaetzen. [Diese Information haben wir von einem schweizer Fachexperten fuer Tourismus, der seit einigen Jahren in der Dominikanische Republik lebt.]

Die Schwestern sind gluecklich, dass wir vor Einbruch der Dunkelheit in der Comunidad eingetroffen sind und, dass es uns gut geht. Hinter uns werden die Gitter geschlossen und die Tueren versperrt. Wenn man bedenkt, dass man, um in unser Zimmer zu gelangen, sieben Tueren bzw. Gitter aufsperren muss, kommen uns die Sicherheitsvorkehrungen der Schwestern sehr uebertrieben vor. In der Dominikanischen Republik ist es jedoch normal, sich in seinem Haus, wie in einem Gefaengnis einzusperren. Selbst die einfachsten Betonbauten haben Gitter vor Fenster und Tueren und auch die Holzbaracken der Aermsten sind teilweise von einem Stacheldrahtzaun umgeben. Die Angst der Dominikaner vor Ueberfaellen oder anderen kriminellen Ausschreitungen ist allgegenwaertig. Wenn wir die Comunidad verlassen, werden wir darauf hingewiesen, jeglichen Schmuck abzulegen und vorsichtig zu sein. Immer wieder wird uns empfohlen, mit dem Taxi zu fahren, wenn wir auf der Strasse nach dem Weg fragen, mit der Begruendung, es sei zu gefaehrlich, zu Fuss zu gehen; vorallem fuer uns Weisshaeutigen. Wie hoch die Krimalitaet wirklich ist, koennen wir schwer einschaetzen. Wir fuehlen uns sicher.

Wir gehen ueber den grossen aspaltierten Platz, der sich in der Mitte der Comunidad befindet und treffen auf ein paar Schuellerinnen der Abendschule, die, wie es in der ganzen Dominikaneschen Republik gehandhabt wird, Schuluniformen tragen. Die Schule betreffend ist zu sagen, dass es viel zu viele schulpflichtige Kinder, im Verhaeltnis zur Anzahl der Schulen, gibt. Man versucht dieses Problem dahingehend zu loesen, indem man drei mal taeglich verschiedene Kinder unterrichtet. In der Regel gehen die juengeren Kinder am Vormittag oder am Nachmittag in die Schule. Am Abend kommen die Aelteren, die meist unter Tags arbeiten. Das Bildungsniveau ist in vielen Teilen des Landes schlecht. Oft koennen die Kinder nach drei Jahren Schule noch nicht bzw. sehr lueckenhaft lesen und schreiben. Und auch wenn man in verschiedenen Restaurants oder Geschaeften zahlen moechte, faellt einem auf, welche Schwierigkeiten die Verkaeufer oft bei den einfachsten Additionen haben.

Kurz darauf betreten wir unser Zimmer. Wir eilen auf die Toilette und muessen genervt feststellen, dass die Spuelung nicht funktioniert. Wir fuehlen uns dreckig und verschwitzt und wuenschen uns nichts sehnlicher als eine Dusche. Den ganzen Abend lang warten wir auf Wasser, aber es ist hoffnungslos. Leider ist es keine Seltenheit, dass die Wasserleitungen leer sind. Warum und ob das in jedem Haushalt hier so ist, wissen wir nicht.

Hungrig gehen wir in den Speisesaal. Wie gewoehnlich gibt es Reis, Kochbananen und Fleisch - Gewuerze werden kaum verwendet. Wir sind gerade dabei unsere ersten Bisse zu machen, ploetzlich ist es dunkel. Stromausfall - keine Seltenheit in der Dominikanischen Republik. Dieses Land hat massive Stromprobleme, taeglich faellt vieler Orts fuer mehrere Stunden der Strom aus. Wer keinen Notstromgenerator hat, was sich nur wohlhabende Familien leisten koennen, sitzt im Dunkeln. Sogar in oeffentlichen Institutionen, wie z.B. dem National Aquarium oder dem Faro a Colon, dem groessten und bedeutensten Monument der Republik, kommt es zu Stromausfaellen. Frueher erhellten am Wochenende (20.00- 22.00 Uhr) Laserstrahlen aus 146 Scheinwerfern, die am Faro a Colon angebracht sind, den Himmel in Form eines Kreuzes - ein Stromverbrauch sondersgleichen.

Nach dem Abendessen a la "Dialog im Dunklen" tappen wir in unser Zimmer und fallen erschoepft von den vielen Eindruecken ins Bett.

Wir hoffen ihr habt jetzt ein realitaetsnaeheres Bild der Dominikanischen Republik. Hier sieht es oft paradiesisch aus und totzdem ist es nicht zu uebersehen das die Dominkanische Republik ein Entwicklungsland ist.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Unbedingt, er ist nicht recht cialis preis viagra rezeptfrei [url=http//t7-isis.org]viagra generika test[/url]

Anonym hat gesagt…

hi all
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